INTERVIEW mit Marco Berghöfer

Marco-Berghöfer Er gehört zu den erfolgreichsten Kettensägen-Profis in Hessen. Als Deutscher Meister (2009), dreifacher Landesmeister (2005, 2009, 2011) und Mitglied im erweiterten Kreis der Nationalmannschaft hat sich Marco Berghöfer schon einige Meriten verdient. Natürlich ist der 37-jährige Lichtenfelser (Waldeck-Frankenberg) auch beruflich ganz dicht dran am Thema. Als gestandener Forstwirtschaftsmeister beim Landesbetrieb Hessen-Forst schult und berät er u.a. Privatwaldbesitzer und  im Bereich Consulting einige Male im Jahr auch ausländische Forstfachleute.

“Ich bereite mich gedanklich gerade auf den Empfang einer Delegation aus China vor”, erklärt er beim Telefon-Interview, “aber bis die eintrifft, können wir noch ein wenig über  Waldarbeitsmeisterschaften sprechen, ich bin noch ganz entspannt”. Und damit hat Marco Berghöfer – ohne dass  es ihm in diesem Moment bewusst ist – auch schon ein Geheimnis für das erfolgreiche Abschneiden bei den Waldarbeitsmeisterschaften preis gegeben. Wer nämlich bei den anstrengenden Wettkämpfen mit der Kettensäge am Ende ganz weit vorn landen will, muss nicht nur körperlich topfit sein, sondern auch über eine große mentale Stärke verfügen.

Herr Berghöfer, Entspannung ist ein gutes Stichwort. Wie bleibt man bei einem mehrstündigen Wettkampf entspannt und trotzdem konzentriert genug?

Berghöfer: Das ist in der Tat ein wichtiger  Punkt. Der wird von vielen Teilnehmern wahrscheinlich sogar noch unterschätzt. Ich habe mit meinem Bruder Rolf, der mich auf wichtigen Veranstaltungen begleitet, eine wertvolle Unterstützung. Als passionierter Poolbillard-Spieler weiß er um die Bedeutung der mentalen Stärke. Diese Erfahrung gibt er an mich weiter und fungiert bei Wettkämpfen sozusagen als persönlicher Coach.

Wie sind Sie eigentlich zum Sport  Waldarbeitsmeisterschaften gekommen?

Berghöfer: Das war in 1995, in meiner Ausbildungszeit zum Forstwirt. Damals habe ich an einigen forstwirtschaftlichen Jugendwettbewerben teilgenommen und dort gleich erste Erfolge verbuchen können. Da habe ich sozusagen Blut geleckt. Ein Jahr später stand dann schon die erste Teilnahme an einer Hessenmeisterschaft auf dem Programm. Danach gab es aber aus gesundheitlichen Gründen erstmal eine mehrjährige Unterbrechung meiner Laufbahn. Meinen ersten Landesmeistertitel habe ich dann 2005 bei der Meisterschaft in Weilburg an der Lahn errungen.

Was macht denn für Sie den Reiz an diesem Sport aus?

Berghöfer: Zum einen sehe ich den Reiz in der Verbindung zu meinem Beruf. Mit den Waldarbeitsmeisterschaften machen wir das öffentlich, was ansonsten für die meisten Menschen verborgen im Wald abläuft. Sie erfahren so, dass dort Fachleute arbeiten, die sich um ein wichtiges Naturgut kümmern. Zum anderen besteht für mich der Reiz dieses Sports darin, sich mithilfe von Technik und Können unter Beachtung von Präzision, Schnelligkeit und Sicherheit im sportlichen Wettstreit mit anderen zu messen.

Fühlt man sich denn dabei eher als Holzfäller oder als Leistungssportler?

Berghöfer: Bei Wettkämpfen muss man gedanklich natürlich schon trennen zwischen beruflicher und sportlicher Tätigkeit. In dem Moment steht natürlich ganz klar der Sport im Mittelpunkt. Dafür hat man schließlich speziellem und sehr intensiv trainiert und so ist man dann ganz auf die verschiedenen Disziplinen fokussiert – genau wie ein Leistungssportler.

Apropos Disziplinen: Welches ist denn Ihre Lieblingsübung?

Berghöfer: Eigentlich der Kettenwechsel. (Persönliche Bestzeit: 9,97 Sek., Anm.). Aber bei einer Meisterschaft darf man sich keinesfalls nur auf eine Disziplin versteifen, sondern muss alle anderen vier auch stets im Blick behalten. Mit einer sehr gut absolvierten Disziplin allein wird man kein Meister. Nur wer  in allen Durchgängen eine möglichst hohes Niveau zeigt, hat die Chance zum Sieg. Und der steht dann wirklich auch erst fest, wenn beim abschließenden Entastungsfinale der letzte Schnitt gemacht ist.

Welche sportlichen Ziele möchten Sie gerne noch erreichen?

Berghöfer: Wie bei anderen Sportarten ist es auch bei uns das größte Ziel, sein Land international vertreten zu dürfen. Ich hatte zwar schon Erfolge auf Landes- und Bundesebene, war auch schon als Teambetreuer und Ersatzmann mit der Nationalmannschaft bei der WM, hatte aber dort noch keinen Wettkampfeinsatz.  Deshalb heißt mein Fernziel ‘Teilnahme an der WM in 2016. Zunächst aber möchte ich in Lohfelden gern zum dritten Mal in Folge Hessenmeister werden.

Erst in 2016? Wieso nicht schon die nächste WM 2014 in der Schweiz?

Berghöfer: Die Nationalmannschaft für 2014 wurde bereits beim letzten Kaderfindungsentscheid Anfang Juli in Königsbronn zusammengestellt. Daran habe ich natürlich auch teilgenommen, aber am Ende fehlten nach den vier absolvierten Wettkämpfen, von denen eins gestrichen wird, einfach einige Punkte. Das muss man als Sportler so hinnehmen und sich eben auf die nächstmögliche Veranstaltung vorbereiten.

Stichwort Vorbereitung: Wieviel Zeit verschlingt eigentlich dieses anspruchsvolle Hobby Waldarbeitsmeisterschaft?

Berghöfer: Das ist unterschiedlich. Vor Meisterschaften z.B. ist der Zeitbedarf wegen zusätzlicher Trainingseinheiten relativ hoch. Insgesamt aber kann ich es gerade noch so mit meiner Familie und meiner weiteren Leidenschaft vereinbaren?

Weitere Leidenschaft?

Berghöfer: Ich gehe gern auf die Jagd. Dieses Hobby kann ich übrigens auch noch ausüben, wenn die Kondition für den Umgang mit der Kettensäge nicht mehr ausreicht (lacht).       [B.K.]